Was ist Diversion?

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, dass ein Strafverfahren nicht durch Urteil – also etwa durch einen Schuldspruch – sondern durch eine alternative Beendigungsmöglichkeit erledigt wird. In solchen Fällen tritt die zuständige Staatsanwältin oder  der Staatsanwalt von der Verfolgung zurück. Dadurch kommt es zu keiner Vorstrafe des Beschuldigten, die Straftat scheint also etwa nicht im Strafregisterauszug (Leumundszeugnis) des Beschuldigten auf.

Diese Möglichkeiten der alternativen Beendigung lassen sich unter dem Sammelbegriff Diversion zusammenfassen. Dabei wird der Beschuldigte – mit dessen Zustimmung – etwa zur Zahlung eines Geldbetrages an den Staat oder zur unentgeltlichen gemeinnützigen Arbeit verpflichtet. Eine weitere Art der Diversion ist die vorläufige Einstellung des Strafverfahrens für eine Probezeit (ein bis zwei Jahre). Der Beschuldigte kann in dieser Zeit z.B. die Weisung erhalten sich einem Alkoholentzug oder einem Anti-Gewalt-Training zu unterziehen, was vom Gericht kontrolliert wird. Hält er sich daran und wird er nicht wieder straffällig, wird das Strafverfahren endgültig eingestellt. Im Rahmen einer diversionellen Erledigung ist auch ein Tatausgleich möglich.

Diversionell erledigt kann ein Strafverfahren nur dann werden, wenn auch auf Ihre Interessen als Opfer höchstmöglich Bedacht genommen wird. Es wird also meistens zu einer Schadensgutmachung oder zu einem Tatfolgenausgleich kommen müssen.

Das gilt ganz besonders, wenn von der Verfolgung aufgrund eines Tatausgleiches zurückgetreten wird. In diesem Fall kommt es vereinfacht gesagt zu einer Ausgleichsvereinbarung.

Sie können sich das so vorstellen, dass die Staatsanwaltschaft eine Konfliktreglerin bzw. einen Konfliktregler beauftragt, der zwischen Ihnen als Opfer und dem Beschuldigten als Vermittler auftritt. Voraussetzung dafür ist, dass der Beschuldigte Verantwortung übernimmt und bereit ist, mit den Folgen konfrontiert zu werden.

Ziel ist es, eine Art Vertrag zwischen Ihnen als Opfer und dem Beschuldigten niederzuschreiben, in dem sich der Beschuldigte zu einer Geldleistung oder einer sonstigen Wiedergutmachung an Sie verpflichtet. Dabei ist es wichtig, dass Ihren Interessen ausreichend entsprochen wird. Der Tatausgleich kann also in der Regel (aber nicht immer) nur dann zustande kommen, wenn Sie als Opfer zustimmen.

Unter Umständen kann eine diversionelle Erledigung des Strafverfahrens für Sie als Opfer ungerecht wirken. Gerade Sie würden sich ein ordentliches Strafverfahren, das gegen den Beschuldigten durchgeführt wird, möglicherweise wünschen.

Allerdings gibt es vor allem im Zusammenhang mit dem Tatausgleich durchaus auch Vorteile für Sie. So wird sich der Beschuldigte eher an den zwischen Ihnen und ihm abgeschlossenen Vertrag halten. Sie können dadurch viel schneller auf eine Gutmachung ihres entstandenen Schadens vertrauen. Hält der Beschuldigte diese Vereinbarungen nicht ein, wird ein Strafverfahren gegen ihn geführt werden, und davor wird er sich hüten. Außerdem müssen Sie an keinem nervenaufreibenden und zeitintensiven Gerichtsverfahren teilnehmen.

Sie haben zwar das Recht, an einem Tatausgleich teilzunehmen, Sie sind jedoch nicht dazu verpflichtet.